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Christian Lucian Hamsea

Christian Lucian Hamsea Kritiktexte, Pressetexte

 

...Die Moderne hat sich mehr unter dem Motto Sehen lernen ist alles , so wie der deutsche Maler Hans von Marées es behauptete und das unmittelbare Bild , wie die heutige Hermeneutik es unermüdlich verlangt.

Die heutige Ausstellung entspricht all diesen Herausforderungen: sie präsentiert Christian Lucian Hamseas künstlerische Experimente - Malerei, Graphik, Bildhauerei -, die aus einer eigenartigen, hartnäckigen und beeindruckenden künstlerischen Tätigkeit entstanden und gemeinsam ein kohärentes Bild herstellen.

Seine künstlerische Biografie ist auch gewissermaßen eigenartig: "zum Sehen geboren", wollte und hat er immer gezeichnet und gemalt, wahrscheinlich weil das Bild seine persönliche Wahrnehmung der äußeren Welt war. Der Künstler ist ein Wanderer, geboren in der "Krone der Karpathen", Kronstadt, in einer traumhaft schönen Landschaft, wo er auch seine erste künstlerische Erziehung genoß. Viel später hat er sich in Erlangen, Nürnberg niedergelassen, wo er an der dortigen Akademie der Künste sein Studium vollendete. Trotzdem bleibt er an eine Tradition gebunden, nicht im Sinne von Motiven und national-folkloristischen Themen, sondern mit seiner Vorliebe für die Farbe und für die Landschaftsmalerei, sowie mit seinem geprägten Geist der Synthese: diesen Geist kann man in der ganzen Geschichte der Kunst erkennen und er hat mehrmals zur Abstrahierung und manchmal zur Abstraktion geführt.

Christian Hamsea denkt und arbeitet in Serien oder Zyklen: im postmodernen Sinne verarbeitet er das bekannte Credo der Moderne, die dem Meisterwerk durch die Vielfältigkeit der Esquisses, Ebauches, des Nonfinito, dem Imperfekten gehuldigt hat.

Die Montagne Sainte Victoire-Serie, die Utopie-Serie oder «Die Mumien Bruckners» sind ein Symbol für seinen künstlerischen Weg, den ich als Vertiefung der Natur bezeichnen möchte: die Landschaft, die menschliche Figur oder die abstrahierenden Kompositionen stellen die äußerliche und die innerliche Natur dar, dank des neugierigen, forschenden Auge des Künstlers. Denn, wie der französische Philosoph Jacques Maritain sagte, hat die Enthüllung des Ichs die Darstellung der äußerlichen Schönheit in der modernen Kunst völlig ersetzt. Hamsea "enthüllt" sich selbst in seinen Werken und lädt uns ein, die Welt mit seinen Impressionen und Fragmenten zu betrachten...

(Dr. Ruxandra Demetrescu zur Eröffnung der Ausstellung im Rumänischen Kultuinstitut "Titu Maiorescu", Berlin)

 

...Die Zyklen "Ala", "Montaigne Sainte Victoire" oder "Vladimir, Kadieva" leicht figurativer, verneinen chromatisch die naturalistische Assimilation. Und mit der Grafik des Zyklus "Utopie" erreichen wir fast das Konzeptuelle.

Die Skulptur des Christian Lucian Hamsea ist, wie ich sagte Bemerkenswert.

Henry Moore, unterstrich die Tatsache das Brancusi uns mit einem neuen Gewissen der Form beschenkte, indem sie diese von allerhand Auswüchsen die sie, unter anderem mit der Gothik, befiehlen, befreite. Er, Moore zieht in Betracht das es nicht mehr notwendig sei, die Skulptur zu begrenzen und zu schließen um sie auf eine statische Einheit zu reduzieren; "Wir können jetzt öffnen", sagt er.

In der Zwischenzeit sind die Versuche vieler Künstler in der Mediokrität verflossen, es sei den in der Post Brancusischen Obsession um sich gekonnt von ihm zu unterscheiden. Da scheiterten sie epigonisch. Oder mit der gleichen Besessenheit nichts wissend und nichts erfahrend was man noch Neues machen könnte.

In diesem Sinne Moores über die Öffnung der Skulptur, bewerten wir das Gelingen Christian Lucian Hamseas als exemplarisch, wichtig und perfekt ausgezeichnet im zeitgenössischen skulpturalen Raum.

Die Plastiken der Serie "Pk", seltsam und trotzdem so nah, sind wie die Sequenzen einer fundamentalen Anamnesis: ergreifende Formen, soeben entstehend, vor langem bekannt, aber nie gesehen bis jetzt.

Der Druck eines archetypischen Plasmas modelliert aus dem Inneren die Flächen, in einer organischen, irreversiblen Entfaltung - und alles geschieht jetzt. Die Bronze existiert nicht mehr...

Die Arbeiten geben weder etwas wieder, noch stellen sie etwas dar, geschweige denn sie wollten sich aufdrängen - sie sind , einfach und geheimnisvoll; und sie dauern fort.

(Prof. Ovidiu Cosuletu Rezension in div. Rumänischen Kulturpublikationen)

 

...Das Faszinierende an Hamsea aber ist im Grunde seine unglaubliche Vielseitigkeit. Längliche wunderschöne Akte in Öl, Mittelalter - Anleihen, klassisch Modernes, Mediterranes aus Italien und Südfrankreich mit Schiffen in knalligem Kobaltblau, was die Landschaften betrifft - all das mischt sich zu Sicht - Vorschlägen mit sehr persönlicher Note.

Ein Gleichgewicht, das erstaunlich tragfähig und stabil ist, verbindet West und Ost, Orthodoxes, Levantinisches, Byzantinisches und katholisch Westliches, Konkretes und Verwischtes, Abstraktion und Realität gekonnt miteinander. Die zeichnerische Klasse offenbart sich am Deutlichsten in den Akten. Manchmal blinzelt Cezanne durch, ein anderes Mal Tapies, immer aber steht Hamsea im Vordergrund. Seine Grenzgänge führen in zyklischer Form zur Synthese, ebenso wie sein Lebensweg, der ihn gen Westen führte und es ihm ermöglichte, sich den Traum von der Italien- und Frankreichreise, vom Wein am Montmartre, zu erfüllen.

Besondere Aufmerksamkeit erregen zu Recht Hamseas Bronzeskulpturen: in Kraftvektoren aufgelöste Wesen, die die menschliche Vertikalität betonen, ausgeklügelte, spannende Bogenarchitekturen. Nur auf den ersten Blick denkt man da an Giacometti, schlicht der enormen Länge wegen, der zweite führt schon in eine andere Welt voller eigentümlicher Kreuze und statischer Elemente...

(Claudia Schuller, Seite 3, Nr. 112, Fürther Nachrichten, 16.05.2003, Kultur, Ausstellung Galerie Artistikum "Ikonen mit Festplatte"

 

. Hamseas Oeuvre ist dabei jedoch im besten Sinne des Wortes modern. Immer lotet Hamsea in seinen Bildern das Spannungsverhältnis zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit aus, das so prägend war für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Sein kräftiger, manchmal schon fast pastoser Pinselstrich gibt im Zusammenwirken mit einer überaus kontrastreichen Farbpalette und einem sehr sicheren, selbstbewussten Duktus den Bildern Tiefe und Weite. Es entstehen Landschaften, manchmal nicht nur in klassisch konstruierter Perspektive, sondern aus abstrakten Konturen, aus bewussten Auslassungen, aus einem durch flächige Striche nur leicht gefüllten Vakuum oder aus dem Zusammentreffen von offener Struktur und kräftig gesetzter Farbfläche heraus. Es kommt zu Überraschungen: Da entwickelt sich plötzlich aus der Tiefe des Raumes ein klassisches Stilleben, verdichtet sich die abstrakte Form zur gegenständlichen Darstellung einer Flasche oder anderer Tafelobjekte. Hamseas Werk hat auch eine figurale Dimension: Immer wieder, insbesondere in seiner Graphik, prägen filigrane, in ihrer Silhouette letztlich nur angedeutete, leicht umrissene Gestalten die Bildkomposition - und erinnern in ihrer aufgefaserten Zerbrechlichkeit und ihren vertikal überdehnten Proportionen an Giacomettis feine Bronzen. Dann wiederum sind es schlanke, sinnliche, weitgehend realistisch dargestellte Frauengestalten, die im Zentrum ganzer Werkserien stehen. Für die ersehnte Identifikation des Betrachters mit dem Kunstwerk sind also augenscheinlich alle Elemente gegeben: Figur und Objekt im Raum.

Aber so einfach ist es nicht, geht Hamseas Ansatz doch weit über eine in diesem Sinne akademische Auffassung hinaus: Denn zugleich reißt Hamsea gerade erst angedeutete Strukturen wieder auf, lässt die Form und ihre spezifische Begrenztheit implodieren. Die Komposition definiert er immer wieder neu, und es gelingt ihm, seine dazu eingesetzten Mittel formal fast bis zur völligen Abstraktion zu reduzieren. Wie er mit diesen konzentrierten, fast schon sparsamen Mitteln, die zuweilen wie leicht hingeworfene Akzentuierungen wirken, einen opulenten, sehr reichen Effekt erzielt, hat etwas Altmeisterliches. Die Synthese hat dabei der Betrachter zu leisten, indem er die dynamische Entwicklung des Bildes in seiner Wahrnehmung nachvollzieht und fortsetzt - und die scheinbar disparaten Elemente letztendlich in seiner Anschauung zusammenfügt. Landschaft kann sich bei Hamsea also auch auf sehr viel indirektere, subtilere Weise entwickeln, nicht nur durch den weiten Blick zum Horizont, der sich in vielen seiner Bilder eröffnet. Und so wird dann aus einem wahren Farbrausch, aus einem kompositorischen Feuerwerk von Kontur und Kolorit plötzlich ein konkret erfahrbarer, scheinbar dreidimensionaler Raum. Hamseas Welten wirken dabei nie beliebig, im Gegenteil: Jeder Effekt ist wohlkalkuliert; der Künstler hat sein Ziel von Anfang an abgesteckt, doch der Weg dahin ist nicht statisch oder gar sklavisch festgelegt, sondern ergibt sich letztendlich im Verlauf des Schaffensprozesses. Der Ausgangspunkt ist der dynamische Impuls, die Methode dessen permanente Weiterentwicklung.

Daß Hamsea bisweilen sogar die totale Umkehrung der konventionellen Farbperspektive wagt und dabei ganz beiläufig unsere im Bild manifestierten Konzeptionen von Nah und Fern auf den Kopf stellt, ist bezeichnend: So taucht er den Horizont in warme satte Rottöne und den Vordergrund in kühles Blaugrün, das ja eigentlich Distanz suggeriert. Daß der Betrachter dennoch Räumlichkeit konstruiert, zeigt Hamsea große handwerkliche Fertigkeit. Die Technik, die Hamsea dabei bevorzugt verwendet und die wir heute hier in einer Auswahl von Schlüsselwerken sehen, gilt nicht umsonst als Technik der Meister: Öl auf Leinwand. Ihre Beherrschung erlaubt ihm seine ganz persönliche Vorgehensweise: Hamseas Arbeitsprozeß hat etwas Evolutionäres, das Werk entwickelt sich permanent weiter, und sicher auch der Künstler entdeckt dabei Dinge und Entwicklungslinien, die ihm vorab so nicht bewusst waren - und die er erst im schöpferischen Moment realisiert und formuliert.

Eine spektakuläre, fast schon legendäre Aktion von Joseph Beuys war es, einem toten Hasen die Kunst zu erklären. Mit dem toten Tier auf dem Arm durchschritt das Jahrhundertgenie die Ausstellung - und spottete damit über das Bedürfnis von Fachwelt und Publikum, die Deutung der Welt stets in doppelter Ausführung haben zu wollen: in Bild und Wort. Es ist unser großes Glück, dass Christian Hamseas Kunst im besten Sinne des Wortes beredt ist, sich dem Betrachter nie verweigert und eine klare Sprache spricht. Lassen Sie, verehrte Damen und Herren, sich auf diesen lohnenden Dialog mit Christian Hamsea ein.

(Christoph Hüsing, Austtellungseröffnung, Münsterlanfestival, Nov. 2005)

 

Vor seinen Bildern fragt man sich unwillkürlich, ob sie Gegenständliches abstrahieren, oder ob nicht vielmehr Landschaft und Figur aus den Assoziationen des Malprozesses entstanden sind. Der Erlanger Maler und Bildhauer Christian Hamsea, .lässt die Frage bewusst offen: Er nummeriert seine Leinwände nach Zahl und Entstehungsjahr.

Das Problem erinnert nur oberflächlich an die bekannte Frage nach der Priorität von Huhn und Ei. Es handelt sich nämlich nicht darum, Ursache und Wirkung auf die Reihe zu bringen, sondern um Wechselwirkungen zwischen einer "objektiven" Wirklichkeit und den Vorstellungen, die wir von ihr haben. Die Wahrnehmungstheorie hat die Frage längst dahingehend entschieden, dass wir immer nur unsere Vorstellung abbilden können. Und folgerichtig hat Nicolas de Staël Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die in seinen abstrakten Kompositionen verborgenen namenlosen Landschaften wieder entdeckt. Den Spielraum für Assoziationen eröffnet auch bei Hamsea die spontane Malweise des Informell mit seiner Vieldeutigkeit der Zeichen, vor allem aber mit der Entdeckung, dass im Wechsel der Farbperspektive Bildräume entstehen, die förmlich danach schreien, von der Vorstellung besetzt zu werden.

Christian Hamsea lässt in seinen Bildern nicht den geringsten Zweifel an der Priorität der Malerei aufkommen. Fast provozierend hält er die Tradition der Ölmalerei auf Leinwand aufrecht, deren stupende Virtuosität durchaus den Anspruch auf Ewigkeit erkennen lässt. Entsprechend selbst- und machtbewusst kommen die Bilder daher: Sie lassen die Vermutung, es könne außerhalb ihrer Wirklichkeit noch eine andere geben, gar nicht erst aufkommen.

Dieser Anspruch wird gedeckt durch die überlegene Handhabung der Farbperspektive, die ebenso rational gesteuert wie emotional ausufernd auftritt. Mit kontrastreich leuchtenden Farbflächen drängen die Bilder nach außen, errichten aber schon im Vordergrund eine räumliche Struktur, die wie ein Sprungbrett in die Bildtiefe führt, die sich mit zahlreichen Abtönungen in wechselnder Helligkeit ins Unendliche zu öffnen scheint.

Erstaunlich filigran sind gegenüber dieser malerischen Monumentalität die kleinformatigen Bronzefiguren des Bildhauers. Sie sind nicht darauf aus, die Plastik zum Pathos der Erscheinung zu verdichten, sondern erzählen eher genrehaft von der Geschichte ihrer Entstehung. Der Maler bleibt darin immer gegenwärtig: Hamsea ist mehr an der Vieldeutigkeit der Oberfläche interessiert, an ihren Wandlungen in Licht und Schatten, als an jener plastischen Gestalt, die sich laut Ewald Mataré als Befreiung der Form durch Abtragen des Überflüssigen darstellt.

(Kurt Jauslin ERLANGER NACHRICHTEN, Jahr 147 / Nr. 277, 30.11.2005)

 

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